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Impfen - ja oder nein?

Mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlichen wir folgenden hochinteressanten Beitrag, der auch in ähnlicher Form in der Kaninchenzüchter- Zeitung zu lesen war.

RHD

Einleitung:

Eine besonders gefährliche, weil hoch ansteckende und nicht heilbare Krankheit ist die RHD. Das Kürzel steht für den Namen „Rabbit Hämmorrhagie Disease“, im Volksmund auch „Chinaseuche“ genannt. Dieser Name entstand, da man zuerst vermutete, die RHD sei 1988 von einem infizierten Angorakaninchen aus China eingeschleppt worden. Heute weiß man jedoch, dass die Krankheit auch vorher schon in Europa existierte.

Andere, in der Veterinärmedizin gebräuchliche Namen sind RCD (Rabbit Calcivirus Disease) und VHD (Viral Hämmorrhagie Disease).

Erreger:

Der RHD-Virus ist sehr widerstandsfähig und besitzt eine Infektionsfähigkeit von 255 Tagen bei 4 Grad Celsius.

Der Erreger der RHD ist ein Calcivirus dessen Virenfamilie auch für verschiedene Formen des bekannten Katzenschnupfens verantwortlich ist.

Mit einer Größe von 35-39 nm verfügt das Virus über 32 konkave (kelchartig nach innen verlaufende) Proteine welche Kapsiden genannt werden und die Hülle des Virus bilden.

Da sich im Virusinneren ein RNS-Strang als Erbmaterial befindet, der nicht in DNS umgeschrieben wird kann er sich direkt vervielfältigen.

Allein dieses Erbmaterial ist beim Eindringen in eine Zelle des Kaninchens ansteckend.

Durch das heftige Krankheitsbild mit Blutungen aus Nase, Maul und Augen scheint die Krankheit einer menschlichen Infektion mit dem Ebulavirus zu ähneln, jedoch bestehen zwischen den beiden Erregern keine Ähnlichkeiten und man weiß heute, dass der menschliche Organismus nicht an RHD erkranken kann.

Übertragung:

Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckung kann direkt von Tier zu Tier, aber auch durch einen so genannten „Wirt“ erfolgen. Als Wirt bezeichnen die Mediziner einen Überträger der Viren, zum Beispiel den Mensch, das Eintreu oder das Futter.

Ein dritter und wichtiger Übertragungsweg erfolgt mit Hilfe eines „Vektors“, Parasiten wie Läuse, Flöhe, Zecken oder Mücken.

Der Ausbruch der Krankheit erfolgt nur bei Kaninchen oder Hasen aber auch andere Tiere können den Virus, ohne selber zu erkranken, in sich tragen und als Wirt, bzw. Vektor dienen und die Krankheit so übertragen.

Zur Infektion eines Tieres sind ca. 100 Viren nötig. Obwohl sich dieses sehr viel anhört, relativiert sich die Zahl, wenn man bedenkt, dass mehrere Millionen dieser Viren auf einer Nadelspitze genug Platz haben.

Inkubationszeit:

Als Inkubationszeit bezeichnet man die Zeit, die zwischen dem Kontakt mit dem Erregervirus und dem ersten Auftreten von Symptomen vergeht. Die Inkubationszeit bei RHD ist vom Virenstamm abhängig und beträgt beim rasanten Verlauf 1-5 Tage, beim milden Verlauf etwa 2 Wochen.

Krankheit – Symptome – Prognose:

Im Krankheitsverlauf unterscheidet man zwischen 3 Verläufen:

1.    Symptomloser Tod

2.    Rasanter Verlauf

3.    Milder Verlauf

Beim „Symptomlosen Tod“ liegen die Tiere ohne erkennbare Krankheitszeichen tot im Stall.

Der „Rasante Verlauf“ wird auch „akut aggressive Form“ genannt. Oft zeigen sich die Genitalien, der Mund, die Nase und die Ohren der Kaninchen geschwollen, häufig sind in dieser Form auch Blutungen aus Nase und Maul sowie Krämpfe, hohes Fieber und Schreien zu beobachten.
In der finalen Endphase kommt es zur totalen Verweigerung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
Der Tod tritt nach 1-2 Tagen ein, charakteristisch zeigen die verendeten Tiere die RHD-typische, verkrampfte Leichenstellung mit im Nacken nach hinten gestrecktem Kopf und blutigem, schleimigen Nasenausfluss.

Der „Milde Verlauf“ wird auch die „milde chronische Form“ genannt.
Hier bleiben schwere Entzündungen und Schwellungen aus. Die meist fiebernden Tiere zeigen eine 3-4 Tage anhaltende Fressunlust und geben sich allgemein geschwächt und lustlos. In dieser Form des Krankheitsverlaufes überleben die meisten Tiere, jedoch steckt gerade hier der Teufel im Detail:
Zum einen tritt dieser Krankheitsverlauf je nach Literaturvorlage nur bei 0-20% der Tiere auf und zum Zweiten ist während dieser Form eine Mutation des Virus möglich.

Dieses heißt, dass der Virus den milden Verlauf auslöst und sich während der Krankheit verändert, so dass die akut aggressive Form auftritt. So ist die Mortalitätsrate (dieses ist in der Medizinersprache die Anzahl der tödlich endenden Krankheitsverläufe) mit über 90-100% angegeben.

Sollte ein Tier trotzdem diese Krankheit einmal überleben, dann muss sich jeder Züchter darüber im Klaren sein, dass dieses Tier für den Rest seines Lebens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Dauerausscheider ist, also den Virus weiterhin in sich trägt und an andere Tiere auf sämtlich möglichen Wegen übertragen kann.

Diagnose:

Die genaue Definition und die Erklärung der Diagnosefindungen würden den Rahmen meines Referates und auch meine persönlichen Kompetenzen überschreiten, denn dieses gehört eindeutig in die Hände eines Veterinärmediziners.

Für den erfahrenen Züchter sind die eben schon genannten Symptome wie die typische Leichenstellung und der blutige Ausfluss von ausreichender Aussagekraft.

Sollten diese nicht erkennbar sein so werden, ohne hier näher darauf einzugehen, Abstriche oder Gewebeproben entnommen und im Labor untersucht. Oft greifen die Tierärzte auch auf eine Ultraschalluntersuchung zurück, bei der sie häufig ein deutlich gestauchtes Lebergewebe erkennen werden.

Therapie:

Eine Therapie der Krankheit kann nur symptomatisch erfolgen. Das heißt, dass höchstens die auftretenden Symptome gemildert werden können um die Qualen des Tieres zu mildern.

Die Krankheit selber ist nicht heilbar, ebenso ist aus seuchenhygienischer Sicht von einer Behandlung unbedingt abzusehen, worauf ich in meinem persönlichen Nachwort noch eingehen werde.

Prophylaxe / Vorbeugung:

Die einzige Möglichkeit dieser Krankheit vorzubeugen ist die Immunisierung gegen den RHD-Virus. Hierzu werden die Tiere mit einem heute sehr zuverlässigem Impfstoff geimpft. Die Erstimpfung der Jungtiere kann ab der 6. Lebenswoche erfolgen und hält ca. 9-12 Monate an, daher sind jährliche Auffrischungsimpfungen erforderlich.

Die RHD-Impfung wird per Injektion (im Volkmund als „Spritze“ bekannt), meist in den Nacken verabreicht und kann problemlos mit anderen Impfungen, z.B. gegen Kaninchenschnupfen oder Myxomatose kombiniert werden.

Obwohl im ZDK mittlerweile Zucht- und Ausstellungstiere geimpft sein müssen, möchte ich im persönlichen Schlusswort, zu dem ich jetzt komme, auch auf die Wichtigkeit der Immunisierung hinweisen.

Schlusswort:

Ich möchte meinen kleinen Vortrag mit einer persönlichen Anmerkung schließen:

Die RHD ist eine nicht zu unterschätzende Infektionskrankheit.

Verantwortungsbewusste Züchter und Kaninchenhalter sollten darauf bedacht sein, keine Tiere als Dauerausscheider zu halten. Sollte ein Tier, welches fast ein Wunder wäre, diese Krankheit einmal überleben, so gehört es meiner Meinung nach selektiert, denn das Risiko eines weiteren Virenträgers kann man sich an seinen eigenen Fingern abzählen.

Die empfohlene und in vielen Landesteilen zur Pflicht gewordene Impfung sollte für jeden Züchter eine Selbstverständlichkeit sein. Da wirksame Impfstoffe vorhanden sind sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass den Tieren das Leiden bei einer Erkrankung erspart werden kann.

Auch aus diesem Hintergrund heraus sollte es selbstverständlich sein, dass wir Züchter und auch die Tierärzte gerade unerfahrene Kollegen und die Kaninchenhalter sowie die Schmusetierbesitzer über die Wichtigkeit der Impfung aufklären und diese wärmstens empfehlen.

Nur durch flächendeckende Immunisierungen kann eine epedemieartige Ausweitung der Seuche verhindert werden, denn ohne großflächige und lückenlose Impfungen wären auch bei uns Menschen in unserer zivilisierten Welt schlimme Krankheiten wie die Pest, die Pocken und die Lepra immer noch ein fürchtenswertes Schreckgespenst.

Michael Kuhnt

KZV W120 Eickelborn e.V.

Weißgrannenclub Rheinland
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