Wie entstand die Rasse?
Zu den reizvollsten Kaninchenrassen überhaupt gehört wohl das Weißgrannenkaninchen, das wir heute in den Farben schwarz, blau und havannafarbig kennen.
Heinrich Niehaus schrieb in seinem Buch „Unsere Kaninchenrassen-Band 2“ :
Über das Auftreten von Weißgrannenkaninchen gibt es in der Literatur mehrere Versionen, von denen aber die meisten unrichtig oder, in einigen Fällen, doch zweifelhaft sind.
Jedenfalls sind die heute gezüchteten Weißgrannen genetisch weder mit dem englischen noch mit dem deutschen Silberfuchskaninchen identisch.
Bei letzteren handelt es sich um gesilberte Rassen ohne Lohzeichnung.
Das gilt sehr wahrscheinlich auch für die vor dem 2. Weltkrieg unabhängig voneinander aufgetretenen und als Weißgrannen bezeichneten Tiere.
Als gesichert dagegen darf gelten, dass im Mai 1949 bei der Züchterin Frau Kläre Geißler, Bad Klosterlaussitz/Thüringen, echte Weißgrannen in einem Chinchillawurf aufgetreten sind.
Es handelte sich um ein Pärchen schwarzer Jungtiere mit weißen Lohabzeichen und weißen Spürhaaren.“ Die Tiere waren nicht aus einer gezielten Verpaarung hervorgegangen, sondern verdanken ihre Farbe und Zeichnung einem Zufall. Die heutigen Weißgrannenkaninchen sind folglich eine reine Thüringer Züchtung.
Sie konnten nur in Erscheinung treten, wenn beide chinchillafarbigen Elterntiere die Anlage für Lohzeichnung in verdeckter Form besaßen.
Entwicklung der Weißgrannen
Die ersten Weißgrannen, schwarz wurden 1950 in Gera auf der Landesverbandsschau ausgestellt. Im "Westen" war es der Züchter Theo Balkenhol aus Arnsberg, der sich um die Förderung der Rasse verdient gemacht hat.
1957 wurde die Rasse im Standard übernommen, wobei hier ein gravierender Fehler gemacht wurde:
„Die Deckfarbe am Oberkörper, einschließlich Kopf, Ohren, Brust und Läufen, ist rein tiefglänzend schwarz bzw. sattblau mit eingelagerten weißen Grannenspitzen.“
Im Jahre 1964 war endlich die Warnung der Vererbungsforscher durchgedrungen.
Es kam eine Ergänzung heraus, die lautete:
>>Pos. 4 Deckfarbe:…wird rein schwarz bzw. blau ohne eingelagerte weiße Grannenspitzen…<<
Erst im Jahre 1970 erschien der neue Standard.
Und in den 36 Jahren ist viel bewegt worden.
Erbformel der WG, schwarz:
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Der blaue Farbenschlag wurde 1958 durch die Veröffentlichung im Einheitsstandard anerkannt.
Nach unserer Erkenntnis war es der Zuchtfreund Kurt Gräfeaus Tautenhain, der mit den Versuchen zur Herauszüchtung der blauen Weißgrannen begann.
In der "DDR" wurden von den Zuchtfreunden Inge Prüter aus Ludwigslust und Martin Blöm aus Glauchau auf der Kleintierausstellung in Leipzig ausgestellt.
Leider haben uns bei der Beantwortung der Frage, wer den blauen Farbenschlag offiziell herausgezüchtet hat, die verantwortlichen Funktionäre des ZDRK schmählich im Stich gelassen.
Weder auf schriftliche noch telefonische Anfragen wurde uns geantwortet.
Schade, wir hätten vom ZDRK mehr erwartet!
Erbformel der WG, blau:
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Der havannafarbige Farbenschlag:
wurde 1975 vom ZDK anerkannt.
Als sicher darf gelten, dass der Züchter und Preisrichter Heinz Trommeschläger aus dem Landesverband Rheinland-Nassau (RN) vom
KZV Heimbach die Weißgrannen braun erzüchtet hat. (Näheres unter: Tipps/Allgemeines)
Erfolgreich stellte er auf der Bundesschau in Essen die ersten Weißgrannen braun aus und wurde mit diesem Farbenschlag Bundesmeister.
Ob noch andere Züchter sich mit dem Farbenschlag braun beschäftigt haben, wissen wir leider nicht.
Vielleicht trägt ja unsere Homepage dazu bei zu erfahren, ob es auch noch andere Züchter gab.
Sehr viele Hinweise verdanken wir dem Züchter Alfred Franke aus Berlin
Erbformel der WG, havannafarbig:
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Auf Nachfrage unseres ersten Vorsitzenden, Willi Pulst, schrieb uns Zuchtfreund Heinz Trommeschläger folgenden Beitrag, für den wir ihm herzlich danken:
Heinz Trommeschläger
Bergstraße 3
54308 Langsur
9.April 2006
Wie ich die Weißgrannen braun erzüchtet habe.
Die Neuzüchtung, bzw. Erstzüchtung der braunen Weißgrannen durch mich geschah zwischen 1970 und 1975.
Im letzten genannten Jahr verlieh mir mein damaliger Verein, der KZV Heimbach/ Nahe RN 41 einen Ehrenpreis „ für das Züchten „ der neuen Kaninchenrasse Weißgrannen braun.
Voraus ging wohl, dass ich auf der Bundesschau in Essen, mit der ich erstmals in der erforderlichen Stückzahl ausgestellten neuen Rasse (Farbenschlag) ein Bundesmeister errang.
Im Ausstellungskatalog von Essen ist das nachzuprüfen.
Das Zuchtprogramm
Das Zuchtprogramm für die Erzüchtung der braunen Weißgrannen war folgendes:
1. 1.0 Weißgrannen schwarz
o.1 Havanna
erbrachte als F1- Generation einheitlich Tiere im Typ schwarze Weißgrannen mit schwachen Abzeichen und leicht lohfarbigen Rändern in Abzeichen und an die Bauchunterfarbe und Schoßflecken.
2. Diese schwarzen Tiere der F1-Generation wurden untereinander verpaart und brachten Weißgrannen ähnliche F2-Tiere, jedoch genau nach den Mendelschen Gesetzen 2/3 in schwarz, 1/3 in braun.
Bezüglich schwacher Abzeichen und lohfarbigen Anflug gilt das wie bei F1- Tieren gesagte.
3. Zur Weiterzucht verwendet wurden dann nur die nach Form, Fell und Abzeichen ansprechendsten braunen F2- Tiere.
Miteinander verpaart brachten diese als F3- Generation ausschließlich braune Nachkommen, zunächst Wurf auf Wurf nur solche mit dem erwähnten Lohfarbenen Anflug im Rand der Abzeichen, also noch nicht reinerbig.
Groß war dann meine Freude, als endlich in einem Wurf zwei Jungtiere mit rein weißen Abzeichen fielen: die beiden ersten Weißgrannen braun.
4. Damit war es leicht, um aus der Inzucht hinaus zukommen, über Kreuzung mit Weißgrannen schwarz, zwei Linien aufzubauen nach dem bekannten Vererbungsschema.
1. schwarz und braun=
F1 schwarz, spalterbig
2. F1xF1 =F2 =
1/3 schwarz, reinerbig
1/3 schwarz, spalterbig
1/3 braun, reinerbig
Meine ersten braunen Weißgrannen waren in Form, Fell, Abzeichen durchaus ansprechend,
hatten aber selten die satte Deckfarbe der heutigen, neigten zu schwacher Bauchunterfarbe, die manchmal sogar eher braun als blau war.
Runde zwanzig Jahre habe ich mich darin um Verbesserung bemüht, bis der immer stärkere berufliche Stress mich zur Aufgabe von Zucht und Preisrichtertätigkeit zwang.
Es waren schöne, wertvolle Jahre in meinem Leben.
Gut, dass Sie mich noch einmal darauf hin angestoßen haben, darüber nachzudenken; denn jetzt pfeife ich gesundheitlich auf dem (vor) letzten Loch.
Nachzutragen wäre, dass für die Zuchtfolgen F1, F2, F3. nicht immer ein ganzes Jahr verstreichen musste. Da diese Tiere nicht ausgestellt wurden, konnte ich sie bald nach Erlangen der Geschlechtsreife verpaaren, wann immer sie kräftig genug schienen.
Das ist der Weg, auf den ich die Weißgrannen braun erzüchtet habe, von denen man vor mir noch nichts gehört und gelesen hatte.